Frauen aus dem Osten werden ­­wieder­entdeckt: in Filmen, Dokumentationen und in Büchern. Auch die Eulenspiegel­Verlagsgruppe legte mit »Emanzipiert und stark. Frauen aus der DDR« ein wunderbares Foto-Fakten-Geschichten-Lesebuch vor. 

Es ist ein tolles Buch, das muss ich gleich vorweg sagen. Warum? Es ist so wunderbar frei von ideologischem Müll. Auch frei von Schmerz-Herz-Bauchgefühlen. Die beiden Autorinnen – übrigens ein West-Ost-Gespann – machten etwas Vernünftiges. Sie recherchierten aufwendig, gingen ganz tief in die Anfänge der beiden geteilten Deutschländer. Sie legen das Grundgesetz der Bundesrepublik neben die DDR-Verfassung. Sie knöpfen sich erlassene Gesetze vor, immer unter dem Aspekt: Was wurde den Frauen auf beiden Seiten wann und in welchem Umfang gesetzlich ermöglicht und – wie wirkte sich das aus auf den Alltag, auf die Paarbeziehungen, auf die berufliche Karriere? 

Was trocken klingt, liest sich hochspannend. Eine ermutigende Erinnerung: Wie war das damals? Welche Rahmenbedingungen gab es für DDR-Frauen? Scheidungsrecht, das Recht auf Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die kostenlose Pille, kein kriminalisierender Paragraf 218, selbstverdientes Geld, finanzielle Unabhängigkeit vom Partner. Nichts wird schöngeredet. Denn Arbeit, Kinder, berufliche Weiterbildung, Ehe, Freunde – das alles zusammenzubekommen, war nie leicht. Und ja, es stimmt, die Familienarbeit blieb auch in der DDR vorrangig bei den Frauen hängen. 

Davon erzählen die Interviews im Buch. Simone Barrientos zum Beispiel, schwanger in der Lehrlingsausbildung, dazu noch in einer Männerdomäne: Elektrikerin lernte sie damals. Heute ist sie Abgeordnete der Linksfraktion. Oder Dagmar Enkelmann. Studentin mit Kind. Gesine Lötzsch, einst Dozentin an der Humboldt-Universität, stieg 1991 in die Politik ein, findet zwar, dass die Quote eine »Krücke«, aber unbedingt notwendig sei. 

»Emanzipiert und stark. Frauen aus der DDR« erscheint in einer günstigen Zeit. 30 Jahre Mauerfall, da lässt der Abstand inzwischen einen anderen Blick zu. Die Geschichten sind Geschichten von Frauen aus einem untergegangenen Land. Aber was diese Frauen konnten, sich selbstverständlich nahmen und was sie stark machte, das ist nicht vergessen. Es ist an der Zeit, sich zurückzuholen, was Frauen emanzipiert leben lässt. 

Gisela Zimmer

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