Dehms Musik-Kritik

Der Liedermacher und Bundestagsabgeordnete Diether Dehm (DIE LINKE) bewertet Neuerscheinungen.

Diether Dehm

Hartmut König: Sag mir, wo du stehst

Hartmut König hatte einst das, was Bild gern als »SED-Privilegien« verbellt. So hat er auch gar nicht erst versucht, seine gerade veröffentlichte Biografie auf »heimlichen Bürgerrechtler« umzufrisieren. Er zupft die Gitarre zwar weniger extravagant als Biermann. Aber, er singt heute noch gegen NATO-Bomben! Nicht mehr als stellvertretender Minister. So klingt sein Mitsinglied auch glaubwürdiger denn je: »Sag mir, wo du stehst«. Er ist stehen geblieben. Trotz Genickschlägen. Nicht bei der DDR von damals, sondern bei heutigen Widerständlern gegen das Finanzkapital. Deren kleine Geschichten aus der großen Geschichte neu zu singen.

Wincent Weiss: Irgendwie Anders

Viele Köche verderben den Sprachbrei. Gleich 22 Co­Autoren versuchten sich an 13 Werken. In so kapitalfreundlicher wie tiefgründiger Oberflächlichkeit. Die CD als zusammengepresstes ­Anpassungsgranulat! Nur der Titel ist irreführend. 

Dido: Still On My Mind

Allein eine einzigartige Stimme bringt’s halt nicht. Wenn die Werke derart lahm runtergedudelt werden. Tauschwert: sexfrei und political correct. Gebrauchswert: vorzugsweise in Fahrstühlen.

Suzi Quatro: No Control

Mit fast 70 Jahren immer noch pure Power. Und dies in Zusammenarbeit mit dem eigenen Sohn. Alles in allem: voller Sex und Rock ’n’ Roll = Vorboten eines geilen dritten Lebensabschnitts. Den wir in Zukunft erkämpfen sollten. Nieder mit dem Jugendwahn!

Bücherkiste

Franziska Böhler liebt ihre Arbeit als Krankenschwester und wünscht sich, »dass Pflegende ihren Beruf bis in den Ruhestand und ohne psychische und physische Beeinträchtigungen ausführen können« und später nicht in Armut leben. Doch ihr Arbeitsalltag wird von Fallpauschalen geprägt, den »unsichtbaren Preisschildern« der Patienten. Weniger Pflegekräfte betreuen immer mehr Menschen, mit dramatischen Folgen: »Es wird eher gestorben, wenn man qualifiziertes Personal einspart oder keines hat.« Ihr Buch enthüllt, wie krank das Gesundheitssystem wirklich ist.

Franziska Böhler, Jarka Kubsova
I’m a Nurse
Heyne
256 Seiten, 12,99 Euro

Bernd Riexinger wirbt für einen gesellschaftlichen Systemwechsel, weil die kapitalistische Wirtschafts- und Lebensweise von einer Krise in die nächste taumelt. Einkommen und Vermögen müssen umverteilt, die Industrie ökologisch umgebaut, der Sozialstaat neu geschaffen werden. »Dafür ist der linke Green New Deal kein Masterplan, sondern ein strategischer Vorschlag, wie wir eine bessere Welt gewinnen können. Die Ordnung der Herrschenden ist auf Sand gebaut.« Denn soziale Sicherheit, demokratische Transparenz und radikaler Klimaschutz gehören zusammen.

Bernd Riexinger:
System Change
VSA
144 Seiten 12 Euro

Anna Mayr erklärt, wie Armut durch Arbeitslosigkeit verhindert werden kann. Als Kind von Eltern ohne Jobs lernte sie früh, wie sich ein Leben mit Hartz IV anfühlt, und wie es ist, nicht dazuzugehören: »Eine gerechte Gesellschaft braucht deshalb nicht nur eine lebensfeste Sozialhilfe, sondern auch einen großen öffentlichen Sektor, der Menschen aufnimmt und ihnen Möglichkei-ten gibt, sich fortzubilden oder zu beschäftigen.« Im Kapitalismus gibt es nicht immer genug Arbeit. Wenn Menschen danach beurteilt werden, ob sie arbeiten, nimmt ihnen das ihre Würde.

Anna Mayr:
Die Elenden
Hanser Berlin
208 Seiten, 20 Euro

Cordt Schnibben fragt, warum Regierende weltweit zögerten, als die Gefahr der Corona-Pandemie heraufzog: »Wie in der Klimakrise und der Migrationskrise zeigen sich Politiker unfähig, offensichtlichen, grundlegenden Fehlentwicklungen und Risiken mit nachhaltigem Handeln zu begegnen. Brauchen wir erst die Eskalation der Bedrohung, um zu spät das zu befolgen, was uns die Eskalation erspart hätte?« Ein Team von Wissenschaftlern und Reportern zeichnet faktenbasiert und detailliert in einem Tagebuch spannend nach, wie sich Covid-19 über den Globus ausbreitete.

Cordt Schnibben, David Schraven (Hg.):
Corona
dtv
368 Seiten, 18,90 Euro

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Wie tickt ein »alter weißer Mann«? Zum Klischee dieser Spezies gehört auch, dass sie über Macht verfügt und fürchtet, sie zu verlieren. Die Feministin Sophie Passmann wollte herausfinden, was an diesem Bild stimmt. Sie interviewte einflussreiche Politiker, Künstler und Journalisten, darunter Kevin Kühnert, Claus von Wagner und Sascha Lobo.Ihre kurzweiligen Erinnerungen an diese Gespräche sind ein echtes Lesevergnügen, sie räumen mit vielen Vorurteilen über Männerherrschaft und Feminismus auf und beleben die Debatte darüber.

Sophie Passmann:
Alte weiße Männer. 
Ein Schlichtungsversuch.
Kiepenheuer & Witsch,
288 Seiten, 12 Euro

Woher nahm Meşale Tolu die Kraft, dem Erdoğan-Regime über Monate hinweg die Stirn zu bieten? Die Journalistin wurde im April 2017 verhaftet, weil die türkischen Behörden ihr vorwarfen, Terror zu unterstützen. Minutiös schildert sie, wie brutal die Polizisten sie und ihren zweijährigen Sohn bedrohten, erinnert den angespannten Alltag als politische Gefangene, die Auseinandersetzungen mit der Justiz. Vor allem mahnt ihr Buch, dass der Kampf für die Freiheit von Tausenden eingesperrten Oppositionellen, für die Presse- und Meinungsfreiheit weitergehen muss.

Meşale Tolu:
»Mein Sohn bleibt bei mir!«
Rowohlt Polaris,
192 Seiten, 12,99 Euro

Welche Konzepte helfen gegen unbezahlbare Mieten und überteuerte Baupreise? Utta Seidenspinner geht den explodierenden Kosten für ein Dach über dem Kopf auf den Grund. Sie nennt den überhitzten Immobilienmarkt, inzwischen eine Spielwiese vieler Rendite­jäger, eine Folge der Finanzkrise ab 2008 und fasst zusammen: »Unsere Regierung ist ursächlich für die Wohnungsmisere verantwortlich und tut zu wenig zu spät, um sie zu lindern.« Utta Seidenspinner liefert viel Hintergrundwissen, um die Wohnungsmisere zu verstehen und die Probleme damit lösen zu können.

Utta Seidenspinner:
Wohnwahnsinn.
Berlin Verlag,
208 Seiten, 18 Euro

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Franziska Böhler, Jarka Kubsova
I’m a Nurse
Heyne
256 Seiten, 12,99 Euro

Bernd Riexinger wirbt für einen gesellschaftlichen Systemwechsel, weil die kapitalistische Wirtschafts- und Lebensweise von einer Krise in die nächste taumelt. Einkommen und Vermögen müssen umverteilt, die Industrie ökologisch umgebaut, der Sozialstaat neu geschaffen werden. »Dafür ist der linke Green New Deal kein Masterplan, sondern ein strategischer Vorschlag, wie wir eine bessere Welt gewinnen können. Die Ordnung der Herrschenden ist auf Sand gebaut.« Denn soziale Sicherheit, demokratische Transparenz und radikaler Klimaschutz gehören zusammen.

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Die Elenden
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192 Seiten, 12,99 Euro

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